Übergewicht bei Hunden – ein wachsendes Gesundheitsproblem in der Schweiz

von

Ein Leckerli beim Spaziergang oder ein Stück Wurst vom Tisch. Für uns sind es kleine Gesten der Zuneigung, für unsere Hunde können sie jedoch eine unsichtbare Gefahr darstellen. Was liebevoll gemeint ist, summiert sich schnell zu einem erheblichen Kalorienüberschuss. Fachleute gehen davon aus, dass rund 40 % der Hunde übergewichtig sind, mit steigender Tendenz. Damit ist Übergewicht längst keine Ausnahme mehr, sondern ein weit verbreitetes Gesundheitsproblem. In diesem Blogartikel erfährst du mehr darüber.

Warum werden Hunde eigentlich zu dick?

Grundsätzlich nimmt ein Hund zu, wenn über einen längeren Zeitraum mehr Energie aufgenommen als verbraucht wird. Der Energiebedarf eines Hundes wird jedoch von zahlreichen individuellen Faktoren beeinflusst: Alter, Rasse, Aktivitätslevel, Hormonstatus, Muskelmasse und sogar die Umweltbedingungen spielen eine Rolle. In der Regel wirken deshalb mehrere Ursachen gleichzeitig zusammen.

1. Zu viel Futter und Snacks (schleichender Kalorienüberschuss)

Viele HundehalterInnen orientieren sich genau an den Fütterungsempfehlungen auf der Verpackung. Diese Angaben sind jedoch Durchschnittswerte und berücksichtigen die Individualität des jeweiligen Hundes nicht. Genau wie bei Menschen unterscheiden sich Stoffwechsel, Bewegungsdrang und Energieverbrauch erheblich.

Deshalb ist es sinnvoll, die Futtermenge nicht starr zu übernehmen, sondern regelmässig zu überprüfen:

  • Hund wiegen.
  • Futtermenge zwei Wochen beibehalten.
  • Gewicht erneut kontrollieren.
  • Falls nötig, die Menge anpassen.

Nur durch diese Kontrolle lässt sich die individuell passende Ration bestimmen.

Die Kalorienmenge von Snacks wird besonders oft unterschätzt. Trainingsleckerlis, Kauartikel oder kleine Tischreste wirken harmlos, können aber einen beträchtlichen Teil des täglichen Energiebedarfs ausmachen. Ein mittelgrosser Hund kann mit nur wenigen Snacks bereits 10–20 % seiner Tageskalorien zusätzlich aufnehmen.

Hinzu kommt die Qualität des Futters. Minderwertige Futtermittel mit hohem Fettanteil oder Zuckerzusätzen liefern zwar viel Energie, sorgen aber für ein geringes Sättigungsgefühl. Da Fett besonders kalorienreich ist, führt es in Verbindung mit zu wenig Bewegung zu einer raschen Gewichtszunahme.

2. Kastration: Hormonelle Umstellung mit Einfluss auf den Stoffwechsel

Nach einer Kastration verändert sich der Hormonhaushalt deutlich. Sexualhormone beeinflussen nicht nur das Fortpflanzungsverhalten, sondern auch:

  • den Grundumsatz
  • die Muskelmasse
  • das Hungergefühl
  • die Fettverteilung

Nach der Kastration sinkt der Energiebedarf vieler Hunde um etwa 20 %. Gleichzeitig steigt jedoch häufig der Appetit. Wenn die Futtermenge nicht entsprechend angepasst wird, entsteht rasch ein Kalorienüberschuss. Deshalb empfehlen wir auch hier ein strukturiertes Vorgehen:

  • Hund unmittelbar nach der Kastration wiegen.
  • Futtermenge um etwa 20 % reduzieren.
  • Diese Menge 2–3 Wochen beibehalten.
  • Gewicht erneut kontrollieren.
  • Falls nötig, weiter anpassen.

Dieser Prozess wird wiederholt, bis das Gewicht stabil bleibt. So findest du die optimale Futtermenge für deinen Vierbeiner.

3. Genetische Veranlagung

Einige Rassen neigen stärker zu Übergewicht als andere. Zu den besonders häufig betroffenen Rassen zählen unter anderem die folgenden:

  • Labrador Retriever
  • Golden Retriever
  • Bernhardiner
  • Cocker Spaniel

Diese Hunde haben oft einen ausgeprägten Appetit und setzen überschüssige Energie schneller in Fett um. Deshalb müssen bei diesen Rassen die Snacks unbedingt vom Alleinfutter abgezogen werden. Eine gute Möglichkeit der Kontrolle ist es, das Alleinfuttermittel als Snack zu nutzen und somit gleich einen Teil der Tagesration wegzulassen.

4. Psychosoziale Faktoren (Futter als emotionales Bindeglied)

Für viele Menschen ist Futter ein Ausdruck von Zuneigung. Der Snack dient als Belohnung, Trost oder Beschäftigung, wenn der Hund einige Stunden allein bleibt. Dabei wird häufig vergessen, dass Hunde keinen emotionalen Trost im menschlichen Sinne benötigen, sondern Struktur, Bewegung und geistige Auslastung.

Betteln wird oft unbewusst verstärkt: Schaut der Hund erwartungsvoll, erhält er eine Belohnung und lernt schnell, dass dieses Verhalten erfolgreich ist. So entstehen Gewohnheiten, die langfristig zu einer deutlichen Gewichtszunahme führen können.

Liebe zeigt sich nicht in Kalorien, sondern in Fürsorge, Konsequenz und gemeinsamen Aktivitäten.

5. Erkrankungen

In seltenen Fällen ist eine Gewichtszunahme auf eine medizinische Ursache zurückzuführen. Dazu gehören unter anderem:

  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Hormonelle Störungen
  • Bestimmte Stoffwechselerkrankungen
  • Langfristige Medikamentengabe

Wenn dein Hund trotz unveränderter Fütterung und Bewegung deutlich zunimmt, apathisch wirkt oder weitere Symptome zeigt, solltest du ihn tierärztlich untersuchen lassen. Eine frühzeitige Diagnose verhindert Folgeschäden und ermöglicht eine gezielte Behandlung.

Welche Folgen hat Übergewicht?

Übergewicht betrifft nicht nur die Figur, sondern den gesamten Organismus. Fettgewebe ist stoffwechselaktiv und kann Entzündungsprozesse begünstigen.

Mögliche Folgen sind:

  • Diabetes mellitus
  • Stoffwechsel- und Hormonstörungen
  • Erkrankungen des Bewegungsapparates (Arthrose, Gelenkschmerzen, Kreuzbandprobleme)
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Erhöhtes Risiko für Harninkontinenz
  • Steigendes Risiko für bestimmte Tumorarten (z. B. Milchdrüse, Blase)
  • Verminderte Belastbarkeit und Atemprobleme

Mit zunehmendem Gewicht bewegt sich der Hund weniger gern. Das führt wiederum zu Muskelabbau und einem noch geringeren Energieverbrauch, ein klassischer Teufelskreis. Die Lebensqualität sinkt deutlich und Studien zeigen, dass stark übergewichtige Hunde eine verkürzte Lebenserwartung haben können.

Ab wann gilt ein Hund als übergewichtig?

Ein einfaches Hilfsmittel ist der sogenannte «Rippentest»:

  • Die Rippen sollten tastbar sein, ohne dass man stark drücken muss.
  • Von oben betrachtet sollte eine Taille erkennbar sein.
  • Seitlich sollte die Bauchlinie leicht nach oben gezogen sein.

Wenn die Rippen kaum fühlbar sind und die Taille vollständig fehlt, liegt Übergewicht vor. Hier findest du eine von uns erstellte Illustration sowie ein kurzes Video, in dem wir dir den Rippentest zeigen.

Das Wichtigste zum Übergewicht bei Hunden in Kürze

  • Ursachen: zu viel Futter, zu wenig Bewegung.
  • Folgen: Gesundheitliche Beeinträchtigungen, was zu noch weniger Bewegung führt, womit ein Teufelskreis beginnt.
  • Diät: weniger Futter, mehr Bewegung.

Wie kann dein Hund gesund abnehmen?

Am wirkungsvollsten ist die Prävention. Schon im Welpen- und Junghundealter sollte auf ein ideales Gewicht geachtet werden. Ist dein Hund bereits übergewichtig, helfen folgende Massnahmen:

Ernährung optimieren

  • Futter exakt abwägen.
  • Futtermenge schrittweise reduzieren (maximal 10 % pro Anpassung).
  • Mehrere kleinere Mahlzeiten pro Tag geben.
  • Leckerlis in die Tagesration einrechnen.
  • Faserreiche Bestandteile zufügen (sättigend und kalorienarm).
  • Futterreste anderer Tiere entfernen.
  • Energiedichte auch nach Erreichen des Zielgewichts reduziert halten.

Bewegung steigern

  • Tägliche Spaziergänge verlängern.
  • Spielerische Aktivitäten einbauen (Suchspiele, Apportieren).
  • Schwimmen oder andere gelenkschonende Bewegung bei Arthrose.
  • Trainingspensum langsam steigern.

Kontrolle und Konsequenz

  • Wöchentliche Gewichtskontrolle
  • Ziel: etwa 1–1,5 % Gewichtsverlust pro Woche
  • Alle Familienmitglieder einbeziehen (keine „heimlichen“ Snacks).

Wenn ein Hund mehrere Kilogramm verlieren muss oder Vorerkrankungen bestehen, ist eine tierärztliche Begleitung oder Ernährungsberatung unbedingt erforderlich. Eine individuell angepasste Diät verhindert Mangelerscheinungen und sorgt für nachhaltigen Erfolg.

Gemeinsam gesund

Der Lebensstil des Menschen hat direkten Einfluss auf die Gesundheit seines Hundes. Dabei zeigt sich ein klarer Zusammenhang zwischen Menschen und Tier: Studien aus dem Bereich „One Health“ belegen, dass Hunde häufiger übergewichtig sind, wenn auch ihre HalterInnen zu Übergewicht neigen. Bewegungsmangel und eine kalorienreiche Ernährung beeinflussen meist beide Enden der Leine. Wer selbst einen sitzenden Lebensstil pflegt, neigt dazu, auch die gemeinsamen Runden mit dem Vierbeiner kürzer zu halten.

Wer selbst auf die eigene Fitness und Ernährung achtet, schafft automatisch auch bessere Bedingungen für seinen Vierbeiner. Gemeinsame Aktivitäten sind dabei der Schlüssel. Sie stärken nicht nur das Herz-Kreislauf-System und die Muskulatur, sondern auch die wertvolle Bindung zwischen Menschen und Tier.

Fazit

Übergewicht bei Hunden entsteht oft schleichend durch Kalorienüberschuss, zu wenig Bewegung und fehlender Gewichtskontrolle. Regelmässiges Wiegen, eine angepasste Fütterung und ein bewusster Umgang mit Snacks helfen dabei, das Gewicht langfristig stabil zu halten. Ein gesundes Körpergewicht bedeutet dabei vor allem Aufmerksamkeit und Konsequenz. Wer die Bedürfnisse seines Hundes im Blick behält und Bewegung sowie Fütterung bewusst gestaltet, schafft die besten Voraussetzungen für ein langes, gesundes und aktives Hundeleben. Ein schlanker Hund ist meist nicht nur beweglicher, sondern auch sichtbar lebensfroher. Und genau das wünschen wir uns für unseren treuen Begleiter.

Gesundes Hundefutter findest du in unserem Shop. Und wenn du Fragen hast, ist deine persönliche ANiFiT-Beraterin oder dein persönlicher ANiFiT-Berater gerne für dich da.

von
 Zurück zur Übersicht
Immer up-to-date.
Abonniere unseren Newsletter
There was an error while trying to send the subscription form. Please try again or contact the administrator.
Impressum Datenschutz AGB
© 2026 ANiFiT AG